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 AKTUELLE BERICHTE  AUS UNSEREM VEREIN:


24. November 2015, 19:56

FUNDSTÜCK DER WOCHE!


Eine alte Eintrittskarte.

Damals wars, im Januar 1954.​.​. Endstand 3:​0 für STAHL!

Danke an die Facebookseite Thale / Harz- Meine Heimat!

  • ***STAHL-FEUER!​!​!​***

Karte Stahl gg Dynamo Dresden.jpg

Redakteur




06. August 2015, 08:05

NOSTALGIE PUR! EIN ERLEBNISBERICHT EINES STAHL-FANS ZU DDR ZEITEN:



Wer in der DDR Fußball schauen wollte, brauchte gar nicht auf die Idee zu kommen, den Fernseher einzuschalten. Wer etwas erleben wollte, musste schon ins Stadion gehen. Dorthin, wo die Fans zwar Schnauzer, aber keine Frisuren trugen und wo die Würstchen aus dem Kombinat überall gleich schmeckten. Erinnerungen an Stahl Thale und eine Jugend in der DDR.

Auch auf den Schulhöfen des Arbeiter- und Bauernstaats DDR gehörte der Fußball zu den wichtigsten Dingen im Leben eines jeden Jungen zumindest bis irgendeine Kerstin oder eine Heike ihm diesen Platz streitig machte. Bis dahin galt die ungeteilte Aufmerksamkeit unseren Helden aus der Bundesliga des Klassenfeindes. Dementsprechend waren wir dann HSV oder Bayern. Leider hinderte uns auch in meinem Heimatort Thale der antifaschistische Schutzwall daran, dem Treiben westdeutscher ­Kicker im Stadion beizuwohnen. Wir gingen auf Sportplätze im Harz und sahen unseren Nachbarn, Kollegen und Freunden zu. Die Straße der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft hinunter, über die Bahnschienen, beim Gasthaus Forelle nach rechts und dann den Fluss entlang, bis die Flutlichtmasten auftauchten. Dort hießen die Helden Wiermann, Weiß und Weber. Die Kerstins und Heikes mussten warten.

Man sucht sich ja seinen Verein nicht aus, und es hätte mich als Fan der BSG Stahl Thale auch wirklich schlimmer treffen können. Der Name klang männlich und unbezwingbar. Ich hatte es noch dazu besser als die Leute, deren Verein per Kombinatszugehörigkeit »Fortschritt«, »Dynamo« oder »Empor« heißen musste. Ich war »Stahl«, und mein selbst gestrickter Balkenschal war grün und weiß. Außerdem hatte Stahl, so berichteten es die Alten, im Jahr 1950 einmal den FDGB-Pokal gewonnen. Der ostdeutsche Gewerkschaftspokal war so etwas wie das Gegenstück zu einem richtigen Cup. Die Thalenser Fangemeinde war seinerzeit mit offenen Lkws zum Endspiel gegen Turbine Erfurt nach Berlin gefahren. Das reichte mir als Mythos.

Die Mauer muss weg

Mein erster Stadionbesuch erfolgte an Vaters Hand und konnte mich damals noch nicht recht überzeugen. Während ich selbst 90 Minuten lang stillsitzen musste, sangen auf der Gegengerade junge Halbstarke unfeine Lieder und warfen mit Papierschnipseln um sich. Um mich herum saßen oder standen nur alte Männer, die über das Wetter, die eigenen Spieler oder die Stadionwurst nörgelten. Vermutlich war das ja Systemkritik.

Fortan ging es dennoch jedes Wochenende allein und mit 80 Pfennig in der Tasche in den Sportpark an der Bode. An guten Tagen hatte ich sogar 1,​60 Mark dabei und es gab Stadionwürstchen. Die Würstchen waren in der DDR normiert und wurden vom Bockwurst-Kombinat ausgeliefert. So wurde in der gesamten sowjetischen Besatzungszone gleich bleibende Qualität garantiert. Meist aber klimperte wenig Geld in der Tasche, und wenn uns die freundliche alte Dame, die die Kartenrollen verwaltete, nicht abnahm, dass wir erst zehn waren, blieb nur der Zaun oder das Durchwaten der Bode. Aber wir waren »Stahl«, wir ließen uns nicht aufhalten.

Bald lebte ich auf der Gegengeraden. Inmitten schnauzbärtiger Männer mit langer Matte, die, wenn sie nicht sangen, stets den Schiedsrichter oder einen der anderen Kerle mit 70er-Jahre-Einheitsfrisur beschimpften. Systemkritik entnahm ich nur der beliebten Forderung nach Entfernung der Mauer bei Freistößen. In der Luft hing der Geruch von billigem Tabak, und überall lagen braune Bierflaschen. Mehr brauchte ich damals nicht. Zwar rauchte ich nicht, und Bier kam auch erst später, aber beim Torjubel und bei unserem Tanz, dem Stahlwalzer, waren der Spaßvogel, die Kutte, der Alki und ich eins. Wir waren Grün-Weiß, und die anderen waren Bauern. Als Banner musste uns ein selbst bestickter Stofffetzen reichen. Für die choreografische Untermalung sammelten wir Konfetti vom Boden auf oder zerschnipselten selbst Papier. Später dann kannten wir eine Heike, die Kassenrollen aus der Kaufhalle mitbrachte, oder eine Kerstin, die Lochkartenrollen von der CNC-Fräse aus der Hütte in Thale schmuggelte. Die DDR war so, wie wir es in der Schule gelernt hatten: in allen Bereichen ganz weit vorn.

Klamme Finger in der Provinz

Leider galt das nicht für die Bezirksliga. Die Spielzeiten musste ich morgens um 8.​00 Uhr von der Radioübertragung mitschreiben, und selbst Erstligafußball bekam nur zehn Minuten Sendezeit im Fernsehen. Irgendwann wurden auch die zwei Wochen Wartezeit auf das jeweils nächste Heimspiel zu lang, und die akribisch protokollierten Eventualtabellen und die Testspiele beim Tischfußball waren nur müder Ersatz für den richtigen Fußball. Dafür gab es in unserem Leben seit kurzem einen Zweitakter aus bester DDR-Produktion: eine MZ TS 150. Ein Motorrad, das ideal war, um den Schönheiten aus der Parallelklasse zu imponieren. Ich jedoch entdeckte damit die ostdeutsche Fußballwelt.

Wehe aber, das treue Gefährt aus Zschopau steuerte auf der Heimfahrt von einem Fußballspiel irgendwo in der Provinz durch unbekannte Innenstädte einen Weg an, der selbst für allseitig gebildete sozialistische Persönlichkeiten wie mich wegen komplizierter Einbahnstraßensysteme nicht zu durchschauen war. Noch dazu, wo Fußballfans und Motorradfahrer ohnehin grundsätzlich suspekt waren. Fußballfans auf Motorrädern waren dann so etwas wie der Klassenfeind in West-Jeans. Wir mussten oft um den Weg aus der Stadt betteln und uns manche tränenrührende Geschichte ausdenken, um von der Obrigkeit noch genug Geld für das Benzin nach Hause übrig gelassen zu bekommen. Aber sich mit wildfremden Kerlen beim Torjubel in den Armen zu liegen, sich irgendwo einen Schal zu greifen, selbst zerrissene Papierschnipsel oder Kassenrollen zu werfen und mit den Stiefelspitzen die blecherne Werbebande zu bearbeiten, das war einzigartig. Das war eine Liebe, die einen kalte Finger, einen vereisten Oberlippenbart und schockgefrostete Kniescheiben vergessen lässt.

Geteiltes Bier und keine Hausaufgaben

Manchmal konnten wir für Auswärtsfahrten auch einen der stinkenden Ikarus-Busse chartern. Das hatte den Vorteil, dass wir ohne schlechtes Gewissen ganz viele der braunen Bierflaschen austrinken konnten. Ich bevorzugte trotzdem meist mein Motorrad, denn da musste ich mich maximal mit meinem Begleiter um das Bier streiten. Schweiß, Rauch und Bierreste entwickelten schon damals nur unter freiem Himmel, und keineswegs in einem Ikarus-Bus, ihre eigentümliche Anziehungskraft. Als bei meinem Erstauftritt als Gesangskoordinator die provozierten Chemiker aus Leipzig unseren Block stürmten und uns verhauen wollten, drehte sich der diensthabende General im Sprecherturm einfach weg. Seine beiden Gesellen kauften derweil Würstchen aus dem Kombinat der Volkseigenen Betriebe. Außer uns störte sich niemand daran, dass wir gerade verprügelt wurden.

Und so verbrachten wir, die wir uns »Lanne«, »Tippe« oder »Pinky« nannten, unsere Wochenenden auf ostdeutschen Sportplätzen und scheuten für die richtige Sache weder Zeit oder Mittel noch vergessene Hausaufgaben. Wir fühlten uns wie richtige Männer. Zum Beispiel, als ich meinem Kumpel nach einer Elfmeterentscheidung im allgemeinen Jubel und in einem Anflug von Objektivität zubrüllte, dass das ja wohl »keiner gewesen sein kann«. Dummerweise machte mich der gegnerische Tormann aus, kam zum Geländer und dankte mir höchstpersönlich für meine Meinung. Danach war ich beim Fußball nie wieder objektiv. Der Kumpel war übrigens auch jener, der es in eine Fernsehübertragung unseres Pokalspiels gegen den großen FC Carl Zeiss Jena schaffte. Wir hatten uns zum Zweck der besseren Beobachtung einfach auf die Laufbahn vor der Werbebande gesetzt. Das taten wir aber nur so lange, bis ihn ein verirrter Querschläger am Kopf traf und wir uns aus Sicherheitsgründen wieder auf die Tribüne verzogen.

Motor-Duelle und Stars an der Werkbank

Es war damals alles grauer, kleiner und spießiger als heute. Niemand außer uns verstand, wieso man seine Wochenenden in Bernburg, Sömmerda, Bischofswerda oder Dessau verbringen sollte. Für uns war das die schönste Sache der Welt. Wir waren Grün-Weiß, wir hatten den FDGB-Pokal gewonnen und nur wir hatten den coolen Löwen im Vereinswappen und keinen Mähdrescher wie die anderen Bauern. Wir hatten sogar einen halbwegs ebenen Platz und Männer, die singen konnten. Nicht so wie in Wernigerode, wo man eine Halbzeit lang bergauf spielte, oder Blankenburg, wo sich die Alten nur über längst vergangene Schlachten austauschen konnten. Nur wir waren »Stahl«.

Das Spiel gegen die grottenschlechten Motor Quedlinburg war für uns allein deshalb ein Derby, weil es ein Spieler namens Arbeiter in grauer Vorzeit aus familiären Gründen gewagt hatte, zum zehn Kilometer entfernten »Motor« zu wechseln. »Arbeiter, du A.​.​.​och!​«, war der Gesang, der bei jeder Witterung über 90 Minuten den meist unbespielbaren Platz beschallte. Damals spielten bei Stahl Leute, die man von Grillplätzen und aus der Arbeit kannte. Leute, die in Thale aufgewachsen waren. Ab und zu stieß ein Spieler dazu, der vor dem Ruhestand noch abtrainieren wollte, oder jemand, der sich bis zur Oberliga-Tauglichkeit seine Sporen auf den harten Äckern verdienen sollte. Von uns Fans wurde das im Sinne der sportlichen Entwicklung geduldet. Dafür musste dann aber Olaf Adamczak die Schwester meines Freundes heiraten, und Darius Wosz musste sich von mir persönlich an der Werkbank anhören, was ich von seinem Auftritt am Sonntag hielt. Damals gab es Spieler zum Anfassen.

Sentimentaler Knieschmerz

Für mich war das das Größte der Welt. Ich trug immer einen Zeitungsausschnitt der aktuellen Tabelle im Geldbeutel oder rechnete mir anhand der sonntagmorgendlichen Ergebnisse aus dem Radio die Plätze selber aus. Noch heute habe ich einen ganzen Stapel von Stadionheften, in die ich immer feinsäuberlich die Ergebnisse eintrug. Wie ich erst viel später erfuhr, hat das den Wiederverkaufswert stark gemindert. Auch tun mir heute die Knie weh, wenn das Wetter wechselt, eine Erinnerung an die dutzenden Auswärtsfahrten bei Frost und Regen. Und immer, wenn ich ganz besonders widerlichen Tabak vorbeiziehen rieche, denke ich an unsere alte Stehtribüne, hinter der alte Männer mit langen Stöcken die Bälle aus der Bode fischten.

Heute bekomme ich die Karten nicht mehr von der Rolle, und ich bin zu alt, um über Zäune zu klettern. Dafür kann ich Originaltrikots mit den Namen von Spielern kaufen, die mich mit Sicherheit nicht unter den Tisch saufen. Gerne würde ich noch einmal nach Spielende eine halbe Stunde unter dem hölzernen Sprecherturm mit seiner handbetriebenen Ergebnisanzeige gemeinsam mit all den anderen darauf warten, dass jemand die Spielergebnisse zusammentelefoniert hat und sie über die Lautsprecher durchgibt. Auch wenn der alte Oberländer, Torschütze im FDGB-Pokal-Finale, bestimmt nicht mehr aus seinem Fenster im ersten Stock schaut, um von uns als Erster die Ergebnisse zu erfahren. Aber wir waren »Stahl«. Und Arbeiter ist ein A.​.​.​loch.

Autor: Kai Tippmann
Quelle: http:​/​/​ballesterer.​at/​heft/​thema/​arbeiter-du-arschloch.​html

Stahl Thale 1970 u.a. mit Trainer Oberländer, Jabusch,Ryschka, Kohler und Wedler.jpg

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